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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Helikoptergeld und Anleihekäufe geben der Hybris staatlichen Handelns neue Nahrung

Hallo Herr Häring, danke für die Information, dass Finanzblasen nicht Nebenwirkung, sondern Ziel von Geldpolitik sind – auch aus dem Verständnis der Notenbanker. Was mich jedoch nicht überzeugt, ist das Helikoptergeld, alternativ Mindestlohn für alle usw. und die Vorschläge aus dem EZB-Schattenrat zum direkten Anleihekauf von Staatsanleihen. Nicht, weil dann die Geldvergabe an den Banken vorbei läuft, sondern weil damit der Wahnsinn bzw. die Hybris staatlichen Handelns weiter Nahrung

bekommt. Ich möchte das erläutern:

Betrachten sie Wirtschaft als großen Garten. Kein vernünftiger Gärtner wird annehmen, es sei gut, dass alle Pflanzen zur gleichen Zeit blühen und Früchte tragen. Nur ein aus dem Ingenieurswesen kommender Gärtner wird sich eventuell überschätzen und das versuchen. Wenn es dann zu Nebenwirkungen kommt – überdüngter Boden trocknet aus, zu viel Wasser ersäuft die Pflanzen, Wasserkanäle versiegen, Unkraut wuchert – wird er, um seinen Job zu erhalten, allem die Schuld geben, nur nicht seinem Versuch, Naturgesetze durch Manipulation zu ersetzen. Erklärt man den größenwahnsinnigen Ingenieur zum Chef, geht der Mist so weiter, mit immer mehr Aufwand wird immer weniger Ertrag erzielt (Verschuldung insgesamt steigt, immer weniger wächst).

Der Gärtner als Chef würde sich mit Fruchtfolge abfinden, mit Blühen und Absterben, er würde nur das System erhalten, das dafür sorgt, dass immer irgend etwas vom Gewollten wächst, blüht und gedeiht.

Der Ingenieur steht für den Staat bzw. Politik, die behauptet, etwas leisten zu können, was sie nicht kann. Er greift zu Münchhausenlösungen (Staatsanleihekauf durch den Staat) und zu massenhaft Dünger, Wasser (Steuergeld, Subventionen), rodet Wälder (Energiewende) und wundert sich über vertrocknete Plantagen (bankrotte Solar-und Windkraftfirmen). Der Gärtner steht für eine Marktwirtschaft mit Minimalintervention: wo es zu trocken ist, gießen (crashbedingte Liquiditätsengpässe überbrücken), Bäume (Firmen/Banken) auch absterben lassen, mal pflanzen (Roosevelts Infrastrukturmaßnahmen, Abschaffen der Prohibition, Legalisieren von Marihuana), das System erhalten, Zyklen (Blühen und Vergehen, Auf und Ab in der Wirtschaft) akzeptieren. Wir leben im Wahn des Machbaren, immer Wachstum, immer Aufschwung usw.. Das ist das Problem.
Dr. Volker Gallandi, Rechtsanwalt

ANTWORT HÄRING: Lieber Herr Gallandi, ich teile Ihre Einschätzung nicht, dass man Gelddinge mit Gärtnerei gleichsetzen kann. Der wesentliche Unterschied ist, dass es bei der Geldpolitik nicht um reale Produktion geht, wie im Garten. Es geht lediglich um abstrakte Besitzansprüche auf hoher Ebene auf das zu produzierende. Beid en Vorschlägen, die sie als Hybris kritisieren, geht es nicht darum, was genau im Garten wie getan werden soll, sondern darum, zu verhindern, dass widersprüchliche Besitzansprüche auf den Garten dazu führen, dass überhaupt nichts geschieht und der Garten vertrocknet und verödet. Wenn zu wenig Geld da ist, damit die Wirtschaft gut funktioniert, muss mehr Geld bereit gestellt werden. So einfach ist das. Wie genau man das am besten tut, darüber kann man sich trefflich streiten. Aber wenn es nicht geschieht, hat die zuständige Stelle versagt.